Sonntag, 2. Februar 2014

Miniatur Bibliothek

Aus dem Bücherschrank meines verstorbenen Großvaters. Reihe 'Miniatur Bibliothek', Band 731 "Das Terrarium" von Georg Tannert, Leipzig, ohne Jahresangabe, 48 Seiten, Kosten 25 Pfennige.


Das Terrarium

Ich wusste im Gegensatz zu seiner Leidenschaft für Aquaristik gar nicht, dass Opa sich auch mal für Terraristik interessiert hatte. Finde ich toll und von irgendwo muss es bei mir ja auch herkommen, dass ich mich für Vivaristik, also der Haltung von Tieren hinter Glas begeistern kann. Beim Durchblättern der Seiten fällt auf, dass das  Heftchen von einem Register anderer Ausgaben der 'Miniatur Bibliothek' umschlossen ist. Dabei hat sich der Verlag keinen sachlichen Einschränkungen unterworfen und quer Beet zu allen möglichen, teils kuriosen Themen Bändchen veröffentlicht, wie z.B. der Band 1156 "Automatische Telefonie" oder Band 1079 "Sodafabrikation" oder Band 504 "Raffball" (was immer das auch ist). Putzig.

Nun gut - Band 731 "Das Terrarium"- da weiß ich, um was es geht. Die Kapitel reichen von 'Behälter' über 'Einrichtung' ,'Die Tiere', 'Das Futter', 'Zur Überwinterung', 'Zeitigung von Reptilieneiern', 'Die Aufzucht' bis zu dem Anhang 'Das Terraaquarium'.
Mir war klar, dass es hier nix zu Pfeilgiftfröschen geben wird, denn auf deren Haltung haben die Terrarianer noch einige Jahrzehnte nach Erscheinen von Band 731 der 'Miniatur Bibliothek' warten müssen. Auch befasst sich das Büchlein in allererster Linie mit einheimischen Vertretern der Herpetofauna, trotzdem muss man auf Frösche nicht ganz verzichten. Informationsgehalt und -menge zu den einzelnen Arten sind dabei allerdings für meinen Geschmack ziemlich abenteuerlich gewählt. Die Sprache ist ....  hhm,  gewöhnungsbedürftig.  Dazu ein Bsp. aus dem Kapitel 'Die Tiere':

 "... Von den Fröschen, die das ungeheitzte Terrarium bevölkern, muss [13.] der Laubfrosch, Hyla arborea, in erster Linie genannt werden. Sein Aussehen zu schildern ist wohl überflüssig, dagegen muss betont werden, daß es mit seiner "Wettervorhersage" nichts ist. Trotzdem verdient der lustige Kerl es in vollem Maße, im Terrarium gehalten zu werden. Gefüttert wird er hauptsächlich mit Fliegen; Käfer und andere harte Insekten vermeide man, sie bekommen ihm nicht. Dagegen machen sich alte Laubfrösche oft über ihre  jungen Artgenossen her, also Vorsicht ! Der Lauffrosch lernt bald seinen Pfleger von anderen Personen unterscheiden und nimmt ihm die zappelnde Fliege aus der Hand. Zur Paarungszeit läßt das Männchen häufig seinen schnarrenden Ruf erschallen, wobei an der Kehle eine kugelförmige Schallblase hervortritt, so daß es aussieht als sitze das Tier vor einer Kugel. 
Ein arger Schreihals ist auch der [14.] Wasserfrosch, Rana esculenta, während sein Vetter, [15.] der Grasfrosch, Rana temporalis, höchstens zur Nachtzeit ein wenig musiziert. Beide sind sehr gefässig und werden hauptsächlich gefangen um an Schlangen verfüttert zu werden....".

Wie geschrieben, der Informationsgehalt ist manchmals doch etwas fragwürdig und weitgehend auch ... minimalistisch. Ein anderes Beispiel : die Infos zu Panzerechsen aus dem Kapitel 'Das Terraaquarium'.

"... Junge Alligatoren und Krokodile werden namentlich in geheitzen Terraaquarien gehalten, sie sind aber stumpsinnig und hinterlistig. Man muss sich immer hüten, seine Hände in die Nähe des mit zahlreichen spitzen Zähnen besetzten Rachens zu bringen und darf sich nie auf die scheinbare Zahmheit der Panzerechsen zu sehr verlassen. Größere Tiere haben in ihrem Schwanz eine nicht zu unterschätzende Waffe. Zu bemerken ist noch, daß kleine Exemplare der gewöhnlichen Arten schon für mehrere Mark im Tierhandel zu haben sind.... " 

Dann geht es weiter mit den "gewöhnlichen Arten", wie Nilkrokodil, Kaiman, Gavial ...

O.k., da fehlt mir dann doch der Hinweis, dass eine solche Haltung wohl nur was für Spezialisten ist, wie es sie damals wohl kaum gegeben haben könnte, als Beispiel fällt mir hier lediglich die Haltung in der Krokodilhalle des Zooaquariums Berlins ab 1913 ein.


Krokodilhalle des Zooaquariums Berlin

Trotz meiner Kritik, ich finde einen solchen Zeitsprung spannend und lehrreich, zeigt er doch - und das gerade vor der aktuellen politischen Diskussion was die Einschränkung der Haltung von Exoten anbelangt - wie sich die Vivaristik entwickelt hat, wie sie an Tiefgang und Innovation gewinnen konnte und - das geht  eindrucksvoll aus vielen Haltungs- und Zuchterfolge der letzten Jahre hervor - wie sie dazu beigetragen hat das Verständnis im Umgang mit der Natur beim Mitgeschöpf Menschen zu vertiefen.
Gerade die Vivaristik vermag es dabei den Menschen für ein Zusammenleben mit der Natur zu begeistern ohne ihn nur in die Rolle des rein passiven Konsumenten von Medien zu verbannen, sie lässt  ihn aktiv ein Stück Natur selbst erfahren, wie jeder, der einmal ein Aquarium eingerichtet und gepflegt hat, wohl bestätigen kann. Das liebe ich an ihr.

Gruß Frank

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